Auf dem Wasser von St. Petersburg nach Moskau
Unsere Reise war im Jahr 2005, aber allzuviel hat sich seitdem wohl nicht geändert
Russland bereist man am einfachsten mit einer Gruppe. Für Einzelreisende ist es immer noch kompliziert, ein Visum nur für touristische Zwecke zu bekommen und dann einfach drauflosreisen zu können. Das scheitert auch daran, daß es außerhalb von Moskau und einigen anderen großen Städten recht schwierig ist, geeignete Unterkünfte zu finden usw. ... Jedenfalls haben wir uns entschlossen, eine Flusskreuzfahrt von St. Petersburg nach Moskau zu unternehmen - unsere erste "Kreuzfahrt" und gleichzeitig unsere erste Reise in das neue Russland. Veranstalter dieser Reisen ist meist Olympia-Reisen in Bonn (viele andere Anbieter sind "Unteranbieter" dieser Firma). Unser Schiff trug den Namen "Leonid Krasin" und der Kapitän sah aus wie Putin für Arme.
In Uglitsch
Die Reise dauert entweder 10 oder 13 Tage, geht von St. Petersburg nach Moskau oder umgekehrt. Die Schiffe sind kurz vor der Wende in der alten DDR gebaut, wirken aber vertrauenerweckend. Und sind vor allem sehr sauber. Die Kabinen sind klein und zweckmäßig eingerichtet, die Naßzelle ist ein Erlebnis, vor allem die Dusche (wenn man sie findet) - aber, wir wollen da nichts verraten, daß müsst Ihr selbst erleben. Die Verpflegung an Bord ist vielseitig, vor allem, wenn man Bouletten mag, denn die gibt es in zahlreichen Varianten. Ihr glaubt garnicht, aus was man alles Bouletten machen kann. Also, auf deutsch, es gibt genug zu essen, über Geschmack kann man streiten. Und Dill ... Ein irres Kraut, vor allem, wenn es einem auf Schritt und Tritt begegnet. Und das ein Virus mitreist, ist, anders als auf dem Nil, eher die Ausnahme. Bei uns traf der Durchfall leider fast jeden. Aber überlebt haben's alle, nicht zuletzt mit Hilfe der russischen Ärztin an Bord und viel Zwieback und Wodka.
Auf dem Roten Platz in Moskau
Die Getränkepreise an Bord liegen fürs Gebotene auf recht hohem Niveau. Um sich nicht umgewöhnen zu müssen, haben auch die Landausflüge ordentliche Preise, aber - man gönnt sich ja sonst nix.
Was auch diese Kreuzfahrt mit vielen anderen gemeinsam hat - das Publikum gehört eher der reiferen Generation an. Entsprechend ist auch das Unterhaltungsangebot an Bord. Aber wenigstens braucht man auf diesen Schiffen nicht den gesamten Kleiderschrank mitzuschleppen. Anzug und Abendkleid passen einfach nicht zu Frikadellen.
Holzkirche in Kishi
Und trotzdem. St. Petersburg hat uns beeindruckt. Eremitage, Puschkin und Peterhof lohnen einfach einen Besuch (wenn es auch außerhalb der Sehenswürdigkeiten und der Vorzeigestraße teilweise ziemlich heruntergekommen aussieht, wovon wir uns im Sommer 2010 noch einmal überzeugen konnten), Moskau ist eine absolute Weltstadt, garnicht mehr so düster, wie wir geglaubt haben, der Kreml ist ein Hammer, und die Fahrt durch Ladoga- und Onegasee zur Wolga, vor allem die Landschaft, einfach nur schön.
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